Entscheidungen trotz Unsicherheit treffen

Unsicherheit ist an sich schon ein herausfordernder Zustand. Wenn wir jetzt auch noch klare Entscheidungen treffen müssen, führt das gerne zu langen Pro-Kontra-Listen und wilden Was-wäre-wenn-Szenarien! Doch was wäre, wenn das viel leichter ginge? Ein erfrischend einfacher Denkweg hilft Dir dabei, auch unter unsicheren Bedingungen klare Entscheidungen zu treffen.

Diesen Beitrag gibt's übrigens auch als Podcast – Folge 11.

Ein wackliger Aufstieg

2017 war ich zum Vulkan-Trecking mit einem Freund auf Sizilien. An Tag 2 stiegen wir auf den Gipfel des Ätna und schauten in den Krater rein. Danach stand fest: Die nächsten Tage würden deutlich entspannter sein, denn das größte Highlight hatten wir schon hinter uns. Doch es sollte anders kommen. Auf mich wartete noch eine andere Challenge.

Einige Tage später besuchten wir per Fähre die Insel Vulcano mit dem gleichnamigen kleinen Vulkan drauf – ja, ein unglaublich kreativer Name für eine Vulkaninsel! Im Vergleich zum Ätna war das hier nur ein Hügel von einigen hundert Metern. Also hatte ich in meinem Optimismus die soliden Wanderschuhe auf Sizilien gelassen und war allein in sportlichen Sneakern aufs Boot gestiegen. Naja, selbst der Begriff „Sneaker“ ist noch übertrieben. Ich hatte weniger feste Schuhe an, sondern aalglatte Gummisolen mit einer netzartigen, hauchdünnen Stoffschicht. Bitte frag mich nicht, was ich mir dabei gedacht habe, denn ich habe beim Packen wohl gar nicht nachgedacht. Vielleicht lag das am Rotwein des Vorabends – man weiß es nicht!

Wir wanderten zum Fuße des Vulcano und staunten nicht schlecht über den doch ganz schön steilen Aufstieg, der uns jetzt bevorstand. Hier haderte ich und dachte einige Minuten wild nach. Sollte ich unten warten? Oder den Aufstieg mit den leichten Tretern wagen? Du ahnst es – es gäbe heute keine Story, wenn ich nicht beschlossen hätte: Ich gehe jetzt da rauf, komme was wolle! Ich traf eine klare Entscheidung und sah mich vor meinem inneren Auge schon auf dem Gipfel. Ich bin jetzt ein Vulkantrecker, der auf dem Ätna war. So einer findet auch einen Weg auf diesen Hügel rauf, dachte ich.

Zu allem Überfluss hatte es noch geregnet und der teils lehmige und jetzt rutschige Weg war selbst mit Wanderschuhen eine Challenge. Ich hätte mir leicht ein Fußgelenk oder ein Bein brechen können. Barfuß wäre ich sicherer unterwegs gewesen. Doch witzigerweise dachte ich keine Sekunde daran umzukehren. Mein Entschluss stand fest, ich schaute nicht zurück, sondern konzentrierte mich darauf, den Weg zu finden, mit allen möglichen Mitteln – teils auf allen Vieren – diesen Berg hochzukommen. Und all die Mühe lohnte sich! Der Ausblick war wunderbar und das Gefühl, es trotz größter Unsicherheit hierher geschafft zu haben, machte auch diesen kleinen Vulkan zu einer ganz besonderen Station.

Jede Entscheidung setzt Unsicherheit voraus

Kennst Du diese Menschen, die nach großen Errungenschaften so etwas sagen wie: „Ja, das war doch von vornherein klar“ oder „Das hätte ich auch gewusst“? Wenn die Lösung da ist, dann will sie jeder schon immer gekannt haben. Doch im Moment der Entscheidung ziehen viele den Schwanz ein und Du stehst alleine da. Dieses Phänomen liegt in der Natur einer Entscheidung, denn die findet immer im Rahmen der Ungewissheit statt. Wie könnte es auch anders sein? Denn wenn es Sicherheit gäbe, dann ginge es ja nur noch darum, eine Wahl zu treffen, ohne größeres Risiko, dass überhaupt etwas in die Hose gehen könnte.

Wer mich dabei beobachtet hätte, wie ich mit meiner spärlichen Fußbekleidung den Vulcano hochkracksle, der hätte wahrscheinlich auch gesagt: Na, wenn Du das so machst, dann kann das natürlich gelingen! Doch darauf muss man erst einmal kommen. Unten im Tal hatte ich auch nur gebrochene Fußgelenke und zerstörte Urlaube im Kopf – und natürlich den festen Glauben daran, dass ich einen Weg den Berg hoch finde.

Du schaffst Sicherheit, wenn Du Entscheidungen triffst

Stell Dir das Zögern und Zaudern vor einer Entscheidung wie einen dichten Nebel vor. In der unsicheren Situation ist Orientierung nicht einfach, vorgezeichnete Wege lassen sich höchstens erahnen. Triffst Du in Unsicherheit jedoch eine Entscheidung, dann bringst Du Sicherheit in die Situation. Denn Du gibst einen Kurs vor, an dem sich alle anderen orientieren können. Jetzt geschieht etwas sehr Bemerkenswertes: Wo es eben noch Nebel gab und scheinbar unüberwindbares Terrain, da entsteht jetzt ein Weg – einfach weil Du den Kurs dorthin gesetzt hast. Hinzu kommt noch eine weitere Magie: Du findest und mobilisierst die Ressourcen in Dir, die Du für Deine Herausforderung brauchst. Wenn Du also erstmal auf Deinem Kurs bist, entsteht der Weg von alleine vor Dir. Franz Kafka hat das auch erkannt und schön auf den Punkt gebracht:

Wege entstehen dadurch, dass wir sie gehen.

Diese kleine, aber feine Erkenntnis rückt das ganze Thema Entscheidungsfindung in ein anderes Licht. Denn viele Menschen hängen diesem Gedanken nach, dass es richtige und falsche Entscheidungen gibt und die Entscheidungsfindung gewissermaßen ein Glücksspiel ist. Ganz so, als würde der Lauf der Dinge irgendwo schon schicksalhaft feststehen und wir müssten nur den Weg zu unserem Glück finden wie eine Maus, die auf der Suche nach dem Käse durch ein Labyrinth irrt. Doch das ist Mumpitz! Quatsch mit Soße! Absoluter Schwachsinn!

Mit Deinen Entscheidungen formst Du Deine Welt

Mit jeder Entscheidung, die Du triffst, legst Du einen Weg an durch den Nebel oder den dichten Urwald. Du erschließt das Terrain. Wenn Dir im Nachhinein jemand sowas sagt wie „Das war doch klar“, dann liegt das daran, dass die Person den Weg jetzt sehen kann und mehr noch: Sie sieht den Weg so klar vor sich, dass sie sich gar nicht mehr vorstellen kann, wie die Welt anders sein könnte. In Wahrheit haben die meisten jedoch vorher gar nix erkannt oder hatten nicht den Mut, einen Kurs einzuschlagen. Freu Dich also über solche Kommentare, denn sie bestätigen Dir nur, dass Du brillante Arbeit geleistet hast.

Lass uns bis hierher festhalten: Wege entstehen erst, wenn Du sie gehst. Wie Du aus dem Beitrag rund um Umsetzung weißt, geschehen beim Handeln immer wieder Dinge, mit denen wir zuvor niemals gerechnet hätten. Ganz wichtig: Entscheidungen sind kein Glücksspiel! Es gibt kein Richtig oder Falsch. Es gibt nur Wege, die Du gehen willst und solche, die Du nicht gehen willst. Nimm diesen Gedanken mit in den nächsten Abschnitt, denn er ist der Schlüssel dazu, wie Du auch in unsicheren Situationen Entscheidungen mit Leichtigkeit treffen kannst.

So triffst Du Entscheidungen in unsicheren Situationen

Die häufigsten Reaktionen auf Unsicherheit und Ungewissheit sind bedrückende, lähmende Gefühle, Orientierungslosigkeit und Schockstarre. Diese Ohnmacht ist gefährlich, denn gerade jetzt ist es wichtig, eine Entscheidung zu treffen und zu handeln. Alles andere würde bedeuten, dass Du im Nebel stehen bleibst, auf ein Wunder hoffst oder darauf wartest, dass andere Dir einen Weg zeigen. Was also tun in so einer Situation? Ganz einfach! Stell Dir folgende Frage: Was wird die Entscheidung aus Dir machen? Zu was für einem Menschen wirst Du, wenn Du Dich so oder so entscheidest? Und möchtest Du das? Prüfe das für Dich, indem Du es Dir im Detail ausmalst – mit allen Sinnen und mit all Deiner Vorstellungskraft.

Die Magie dabei: Du richtest Deinen Blick auf die Möglichkeiten und auf das Ende des Weges. Gleichzeitig kannst Du für Dich prüfen, ob das Resultat Deiner Entscheidung für Dich auch wünschenswert ist oder ob es negative Konsequenzen mit sich bringt. Dieser Denkweg bewahrt Dich auch davor, Dich für manche Optionen zu entscheiden, nur weil der Weg dorthin möglichst einfach ist. Denn Du beziehst auch Dein Gefühl in die Entscheidung mit ein, statt allein rationale Argumente.

Wenn Du das Endergebnis also geprüft hast und es für Dich okay ist, dann triff die Entscheidung und schlage so den Weg ein, der Dich dorthin bringt, wo Du hin möchtest. Mir hat diese Frage schon in vielen Fällen schnelle Klarheit gebracht, weil mir plötzlich bewusst wurde: Manche Möglichkeiten können zwar interessant sein, doch mir gefällt nicht, zu wem sie mich machen könnten.

Das hilft zum Beispiel bei der Wahl meiner Kunden. Manche Kunden lehne ich bewusst ab, weil sie aus meiner Sicht keinen echten Mehrwert für andere Menschen liefern. Auch wenn mancher Job lukrativ sein kann, weiß ich für mich, dass ich davon kein Teil sein möchte. Andersherum war es zum Beispiel beim Podcasting und Bloggen: Obwohl ich vorher keinerlei Erfahrung hatte, gefiel mir die Vorstellung, jemand zu sein, der täglich schreibt, Storys erzählt und wertvolles Wissen vermittelt. Ich treffe wichtige Entscheidungen also mit Blick auf meine Identität. Und wenn mir gefällt, zu welchem Menschen mich eine Entscheidung machen könnte, dann bin ich bei der Umsetzung auch deutlich motivierter.

Entscheide Dich und der Weg zum Ziel wird sich zeigen

Jedes Mal, wenn Du diesen Zustand der Unsicherheit aushältst und eine Entscheidung triffst, spürst Du, dass alle Ressourcen für Deinen Weg längst in Dir liegen. Dein Vertrauen in Deine eigenen Fähigkeiten wächst und damit wirst Du mit der Zeit immer souveräner. Das ist ein äußerst positiver Nebeneffekt, den die einzige Sicherheit, die Du wirklich aufbauen kannst, ist Deine Selbstsicherheit. Und die einzige Konstante in Deinem Leben, das bist Du.

Wenn Du häufiger in unsicheren Situationen unterwegs bist, dann erinnere Dich auch an den Beitrag All in oder Nummer sicher: Schaffe Dir eine sichere Umgebung in anderen Lebensbereichen, aus denen Du Kraft schöpfen kannst, um neue Herausforderungen anzugehen.

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