Motivation & Klarheit: der Tod als Sparringspartner

Denkst Du gerne über Dein Lebensende nach? Wahrscheinlich eher nicht. Doch der Gedanke an den Tod kann Dein Leben bereichern und Lebensfreude wecken! Hast Du zu Lebzeiten immer mal wieder das Ende im Blick, bringt das Klarheit in Deine Gedanken für alles, was Dir wirklich wichtig ist. Du bist motivierter und befreist Dein Leben von unnötigem Ballast.

Diesen Beitrag gibt's übrigens auch als Podcast – Folge 7.

Ein explosiver Weckruf

1888 setzte sich ein Mann namens Alfred verschlafen an seinen Frühstücktisch. Doch als er die Zeitung aufschlug, war er sofort hellwach. Er traute seinen Augen nicht: Da war eine Todesanzeige mit seinem Namen. Laut diesem Nachruf war er offiziell tot. Schlimmer jedoch als die Tatsache, dass man ihn öffentlich für tot erklärte, war die Art und Weise, wie man das tat. Denn die Überschrift der französischen Zeitung lautete „Le marchand de la mort est mort“, was übersetzt bedeutet „Der Händler des Todes ist tot“.

Die Rede ist hier von Alfred Nobel, dem Erfinder des Dynamits. Der war zum Zeitpunkt seines angeblichen Todes äußerst lebendig. Der Nachruf hätte seinem Bruder Ludvig Nobel gelten sollen, doch die Zeitungsredaktion hatte die beiden Brüder miteinander verwechselt. Und so kam Alfred Nobel in die interessante Lage, seinen eigenen Nachruf lesen zu können. Der ließ jedoch kein gutes Haar an ihm, sondern fokussierte sich auf die negativen Seiten. Alfred habe seine Lebenszeit in die Erfindung eines Mittels investiert, mit dem sich schneller als je zuvor eine Vielzahl an Menschen töten ließen. Dadurch habe er zur Entstehung von viel Leid und schlimmer Gräueltaten beigetragen.

Alfred war entsetzt. Das war nicht das Vermächtnis, das er hinterlassen wollte. Er habe der Menschheit nichts Gutes getan? Das war es, was sie nach seinem Tod mit ihm in Verbindung brachten? So würden sie ihn in Erinnerung behalten? Das wollte er so nicht stehen lassen. Er nahm sich vor, sein Wirken genauer unter die Lupe zu nehmen. Den Rest seines Lebens würde er jetzt einem größeren Ziel widmen und etwas erschaffen, womit er der Menschheit Gutes tun würde. Von da an begann er, sich intensiv mit der Frage zu beschäftigen: Wie möchte ich in Erinnerung bleiben? Wenn morgen mein Nachruf veröffentlicht wird, was soll darin stehen und wie sollen mich die Menschen sehen?

Er beschloss, sein Leben in Zukunft dem Erhalt des Friedens zu widmen. Durch die Erfindung des Dynamits hatte er es in seinem Leben zu einem gewaltigen Vermögen gebracht. Als er 1895 kurz vor seinem Tod sein Testament erstellte, hielt er darin fest, dass 94 Prozent seines Vermögens in eine Stiftung fließen würden. Die Zinsen dieses Fonds sollten jährlich als Nobelpreis an die Menschen gehen, die im vergangenen Jahr auf den 5 Gebieten Chemie, Literatur, Physik, Medizin und Frieden den größten Nutzen für die Menschheit erbracht hatten.

Wenn wir heute den Namen Nobel hören, dann denken wir sofort an den renommierten Nobelpreis. So ist es Alfred Nobel also nicht nur gelungen, das Bild zu verändern, wie wir ihn in Erinnerung halten, sondern mit einer guten Sache untersterblich zu werden.

Klarheit und Motivation: Wie der Gedanke an den Tod Dein Leben bereichert

An den Tod denken? Das ist für viele blanker Wahnsinn! Diese Gedanken wecken in uns nicht gerade Freude und Begeisterung. Schon im Mittelalter erinnerte man die Menschen mit dem Ausdruck „Memento mori“ – „erinnere Dich, dass Du sterblich bist“ – ständig daran, dass das Leben ein Ende hat. Vorrangiges Ziel dieser Mahnung war, die Menschen gehorsam, fromm und gefügig zu machen. Sie sollten nach genauen Vorstellungen leben und sich von ihren Sünden befreien, um sich für das Leben nach dem Tod zu qualifizieren. Das hat einen üblen Beigeschmack, denn es bedeutete für die Menschen, in ständiger Angst und Demut zu leben, ohne zu wissen, was sie später einmal erwarten würde.

Schleudersitz! Raus aus dieser Emotion – denn genau dort wollen wir nicht hin. Ich lege Dir ans Herz, den Tod als Sparringspartner zu nehmen, um Deinem Leben wie Alfred Nobel den gewünschten Twist zu geben.

Das Ende im Blick gibt Deinem Leben den Kick.

Wie es die großen Schriftsteller und Drehbuchautoren tun, legen wir vor dem Schreiben zuerst fest, wie das Ende der Geschichte aussehen soll und arbeiten dann genau darauf hin. Das verschafft uns die nötige Klarheit, um unser Leben so zu gestalten und dorthin zu steuern, wie wir es uns wünschen. Der Tod ist also freundlicher Erinnerer, Partner und Coach, der uns dabei unterstützen kann, im Leben auf unserem Kurs zu bleiben und nicht davon abzukommen.

Der Tod als Sparringspartner: Was will ich wirklich für mein Leben?

Gedankenspiele rund um den eigenen Tod können Dir auf vielfältige Weise helfen, Klarheit für Dich und Dein Leben zu finden. Denn häufig ist es doch so, dass sich irgendwann in unserem Leben ein Autopilot einschaltet. Wir haben eine Situation erreicht, in der wir uns gut fühlen und in der alles gerne erst einmal so weiterlaufen darf. Nicht alles ist perfekt, doch das kann ja noch werden. Klar, haben wir auch noch Träume und große Ziele, doch die können wir ja irgendwann mal angehen. So passiert es leicht, dass wir gemütlich vor uns her leben, die Jahre vergehen und wir leben in dem trügerischen Gefühl, dass es ewig so weitergehen wird.

In dem Rahmen ist der Gedanken an den Tod ein ganz schöner Spielverderber, oder? Kommt nun einfach daher und macht die schöne Illusion kaputt. Vielleicht auf den ersten Blick! Doch wenn wir genauer hinschauen und reinfühlen, dann ist der Tod vielmehr ein freundlicher Sekretär, der Dich daran erinnert: „Du, wir haben in unserem Kalender doch noch ein paar Termine, wichtige Anlässe und To-dos, die wir unbedingt noch erledigen wollten. Wird es nicht mal Zeit, die anzugehen?“

Motivation pur: ein unsanfter Weckruf mit nachhaltiger Wirkung

Ja, diese Gedanken sind unbequem. Doch gerade in schwierigen Zeiten führt Dir diese Perspektive vor Augen, worum es Dir wirklich im Leben geht, was Dir wichtig ist und was Du noch erreichen und erleben möchtest. Sie bringt Klarheit auf eine drastische, unangenehme Weise und das Aufwachen kann manchmal ganz schön schmerzhaft sein. Doch gerade diese schonungslose Ehrlichkeit mit Dir selbst kann mehr in Deinem Leben bewegen als jeder noch so gute Vorsatz. Und die Wirkung geht tiefer als jedes Tschakka, Uhga-uhga und Motivationsgetue.

Du fragst Dich: Was will ich wirklich? Womit verschwende ich eigentlich meine Zeit? Was mache ich immer wieder, was mich aber nicht dem näherbringt, was ich in meinem Leben erreichen möchte? Wenn Du vom Tod aus denkst, bist Du wesentlich ehrlicher mit Dir selbst und lässt keine Ausreden oder Ideenimpfungen von außen gelten. Du entlarvst schonungslos alles, was nicht Deins ist und befreist Dein Leben von all dem Müssen, Sollen und Dürfen – diesem Ballast, den Dir andere eingetrichtert haben. Jetzt ist der Blick frei für das, was wirklich für Dich zählt. Sieh es mal so:

Beschäftige Dich mit Deinem Tod aus Liebe zu Deinem Leben.

Jetzt, wo Du diese Zeilen liest, bist Du offensichtlich noch am Leben. Du hast also noch die Kraft und Zeit, wie Alfred Nobel das Ruder herumzureißen. Viel schlimmer ist es doch, wenn der Tod plötzlich vor der Tür steht und Dir schlagartig bewusst wird, was Du noch vom Leben willst. Doch Du hast keine Chance mehr, etwas davon umzusetzen. Das tut dann richtig weh! Verglichen mit diesem Schmerz ist doch so ein Kaffeekränzchen mit dem Tod zwischendurch für Dich ein leichtes Spiel, oder? Außerdem gibt es ein paar fantastische Bücher, die uns die Auseinandersetzung damit noch leichter machen.

Riesige Geschenke: Wenn Sterbende ihre letzten Gedanken teilen

Die Gedanken aus diesem Artikel haben mich in den letzten Jahren zu ein paar spannenden Büchern zum Thema geführt. Darunter ist zum Beispiel Letzte Wünsche* von Alexander Krützfeldt oder 5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen* von Bronnie Ware. Die darin geteilten Gedanken sind in meinen Augen wie geheime Cheats, Tricks und gigantische Geschenke, die Deinem Leben einen riesigen Vorteil verpassen. Du kannst jetzt schon das wissen, wofür andere durch eine echt dunkle Zeit gehen müssen.

Bronnie Ware zeigt in ihrem Buch: Wenn sterbende Menschen nochmal von vorne anfangen könnten oder mehr Zeit hätten, dann würden sie mehr riskieren und mehr unternehmen, statt sich Wünsche zu verbieten oder auf die lange Bank zu schieben. Oder ganz nach dem Motto unserer Podcasts: Sie würden sich trauen, ganz sie selbst zu sein und ihr Ding zu machen. Bronnie Ware hat 5 Dinge ermittelt, die die meisten Sterbenden anders machen würden:

1. „Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mir selbst treu zu bleiben, statt so zu leben, wie andere es von mir erwarten.“

Viel zu oft tun wir die Dinge, weil MAN sie eben so tut. Wir geben zu viel darauf, was andere von uns denken. Wir schlagen einen Weg ein, der gar nicht unserer ist und merken erst nach vielen Jahren, was wir dafür alles geopfert haben. Frag Dich stattdessen: Was ist mir wirklich wichtig, bevor ich gehe? Und setze anschließend Deine Prioritäten genau danach.

2. „Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet.“

Manche gehen in ihrer Arbeit voll auf und versinken darin. Andere wittern die Chance, viel Geld zu verdienen und sich damit ihre wahren Wünsche zu erfüllen. Doch wenn es wirklich drauf ankommt, merken wir, dass für uns eigentlich ganz andere Dinge viel mehr zählen als Geld und Produktivität. Besser, sich das schon früh genug bewusst zu machen.

3. „Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meine Gefühle auszudrücken.“

Erinnere Dich an den Beitrag zum Thema Verletzbarkeit. Darin geht es genau darum, Dich so zu zeigen, wie Du bist und die Dinge beim Namen zu nennen. Teile ehrlich mit, wie Du Dich fühlst und sprich die Worte aus, die andere Menschen so dringend hören sollten. Bring das nach außen, was in Dir steckt, damit es sich frei entwickeln kann.

4. „Ich wünschte mir, ich hätte den Kontakt zu meinen Freunden gehalten.“

Verbundenheit und schöne Momente, die wir mit anderen teilen – wir spüren doch, wie gut es uns tut, doch wir geben anderen Dingen die Priorität. Oft denken wir dabei: Das hat ja noch Zeit und das kann man ja nachholen. Doch niemand ist ewig da. Zeige Deinen Liebsten, was sie Dir bedeuten und verbringe mehr Zeit mit denen, die Dich glücklich machen.

5. „Ich wünschte, ich hätte mir mehr Freude gegönnt.“

Unbewusst stecken wir alle heute fest im Höher-schneller-weiter-Denken. All das Müssen und Sollen steht über allem. Doch unterm Strich müssen wir einen Scheißdreck! Das führt der Gedanke an das Ende ganz klar vor Augen. Wir haben täglich die Wahl, unser Leben nach unseren Vorstellungen zu gestalten, den Druck rauszunehmen und uns mehr Zeit zu verschaffen, den Blick auf all das Schöne in unserem Leben zu richten.

Umsetzungs-Tipp: Schreib Deine eigene Grabrede

Für so einen Aufwach-Moment wie Alfred Nobel sind wir nicht auf einen Schubser von außen angewiesen. Den kannst Du Dir auch ganz einfach selbst geben, indem Du Deine eigene Grabrede schreibst. Die hat noch weit mehr Tiefgang als eine kleine Todesanzeige. Überlege Dir dazu ganz konkret: Wenn es auf Deiner Beerdigung eine Rede gibt, die Dein Leben Revue passieren lässt, was sollte dann darin stehen? Welche besonderen Momente Deines Lebens soll sie hervorheben? Wie beschreibt sie Deine Wirkung auf andere Menschen? Was würden die wichtigsten Menschen in Deinem Leben wohl über Dich sagen?

Du kannst Dir so ein Bild verschaffen, wie Deine Wirkung heute wäre, bei dem, was Du erlebt hast und wie Du auf Dein Umfeld gewirkt hast. Doch danach darfst Du auch die Traumbox groß aufmachen und Dich fragen: Was soll denn da noch drin vorkommen, was ich heute noch nicht erreicht habe? Ziele, Erfahrungen oder besondere Momente? Fähigkeiten, die Du noch entwickeln willst? Persönlichkeitszüge, die Du ausleben möchtest? Menschen, die Du noch kennenlernen willst? Diese Zukunftswünsche kannst Du als eine Art Löffelliste ständig weiterführen – eine Liste, auf der Du alles festhältst, was Du noch erleben willst, bevor Du den Löffel abgibst.

Hast Du das erst einmal klar vor Augen, kannst Du Dein Leben gezielt in diese Richtung gestalten. Und das hat zumindest bei mir noch einen ganz besonderen Nebeneffekt:

Du verlierst immer mehr die Angst vor dem Tod.

Du weißt nun, dass Du Dich mit den wichtigsten Fragen beschäftigst und Dein Leben in vollen Zügen lebst. Am Ende schmerzen nämlich meist die Was-wäre-wenn- und Hätte-ich-doch-nur-Gedanken am meisten. Die schiebst Du nicht länger auf, sondern packst sie an. So kannst Du all die schönen Dinge noch bewusst erleben und gehst deutlich entspannter durch Dein Leben. Denn Du weißt: Ich habe die volle Klarheit und ich mache genau mein Ding.

Trau Dich, Du zu sein – Trau Dich Deins zu machen!

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