Normalität – wie Gruppenzwang Dein Genie erstickt

Bist Du normal? Ist Dein Umfeld normal? Zwingt Dich Dein Umfeld, normal zu sein? Fragen über Fragen und dabei haben wir noch gar nicht gefragt: Was heißt es eigentlich, normal zu sein? Wenn Du voll Dein Ding machst, gehört es dazu, dass Du auch schon mal aneckst. Ein paar Tipps helfen dabei, dem Gruppenzwang zu widerstehen.

Diesen Beitrag gibt's übrigens auch als Podcast – Folge 15.

Kalte Dusche macht normal – wie Normalität entsteht

Die folgende Story geistert seit vielen Jahren durchs Internet. Manche stellen sie als ein echtes Experiment dar, doch zum Glück ist das Ganze nur ein Gedankenexperiment, bei dem keine Tiere gequält wurden. Dafür kann die Erkenntnis dahinter für manchen Menschen ziemlich qualvoll sein. Wen oder was erkennst Du in dieser Parabel:

5 Affen leben in einem geräumigen Gehege. Oben am Dach in der Mitte des Käfigs hängt ein großes Bündel Bananen. Direkt darunter steht eine Klappleiter. Natürlich macht sich der erste Affe gleich auf die Sprossen, um sich eine Banane zu schnappen. Doch sobald er sie erreicht, bekommen die anderen 4 Affen unten im Käfig eine kalte Dusche mit dem Wasserschlauch. Das gefällt denen natürlich gar nicht und nachdem sich das Szenario zweimal wiederholt hat, halten die Affen jeden zurück, der es auch nur wagt, in die Nähe der Leiter zu gehen.

Nach und nach werden die Affen im Gehege nun ausgetauscht. Jeder neue Affe macht sich natürlich sofort an die Bananen, doch die 4 alten Hasen halten den Neuling davon ab. Dieser versteht zwar nicht, was das soll, doch um den Groll der Gruppe nicht auf sich zu ziehen, akzeptiert er das Verhalten und macht ab sofort einen Bogen um die leckeren Früchte. So wird ein Affe nach dem anderen ersetzt, bis schließlich keiner mehr da ist, der noch weiß, warum sich die Gruppe überhaupt so verhält. Und die Bananen? Die bleiben unberührt – selbst dann noch, als es längst keine Wasserschläuche mehr gibt.

Normalität – was ist das und woher kommt sie?

Diese affengeile Story zeigt uns ganz wunderbar, wie Normalität entsteht: Sie baut auf Mustern und Ritualen, die wir irgendwann einmal – bewusst oder unbewusst – gelernt und seitdem zu unserem Standard gemacht haben. Dahinter steckt eine A-B-Verknüpfung: wenn Bananen, dann Dusche.

Das heißt also: Wie wir uns verhalten und was wir für möglich erachten, entscheidet sich oft schon sehr früh in einer ersten Prägung. Und das gilt für jeden Bereich unseres Lebens. In unserer Familie, im Job, im Sport – überall gibt es stille Abkommen, was normal ist und was nicht.

Gleichzeitig erinnert die Story daran, wie schwierig es sein kann, sich loszureißen und seinen eigenen Weg zu gehen, wenn sich erstmal so eine Normalität etabliert hat. Das macht ein selbstbestimmtes und selbst gestaltetes Leben zu einer echten Herausforderung.

In meinen Augen ist die Story auch ein Weckruf: Alles, was wir für normal halten, sollten wir regelmäßig prüfen und hinterfragen. Denn nur, weil wir etwas als normal ansehen, bedeutet das nicht, dass es gut und richtig ist. Vielleicht war das in einem bestimmten Moment mal der Fall, doch die Welt dreht sich weiter. Und wir sollten meinen, dass sich damit auch das ändern darf, was für uns normal ist, oder? Doch das sehen lange nicht alle Menschen so. Denn Normalität ist so schön bequem!

Genie oder Koala? Was normal ist, bestimmst Du!

Zu Zeiten der Corona-Krise sehnte sich die ganze Welt plötzlich nach Normalität. Das hat mich stutzig gemacht. Denn was sollte das bedeuten? War der Zustand vor dem Virus denn so viel besser? Wir haben uns in Lappalien verzettelt und auf Oberflächlichkeit gesurft. Wir haben Probleme erkannt und tot diskutiert, statt zu handeln. Wichtige Fragen haben wir aus Bequemlichkeit aufgeschoben. Ganz ehrlich: Ich finde die Situation zu Corona-Zeiten normaler als vorher. Klar, wir sind uns nicht immer einig und werden von wichtigen Fragen überrollt. Doch wenigstens reden wir miteinander und machen uns Gedanken, was uns als Gesellschaft wirklich wichtig ist.

Du hast bestimmt erkannt: Was für den einen normal ist, muss es nicht für alle anderen sein. Für Dich und mich ist Normalität jeweils etwas anderes – abhängig von unseren Werten, von unserer Erziehung und unserer gesamten persönlichen Prägung. Die meisten Wünschen sich Normalität, weil sie bequem ist. Nicht denken, nicht handeln, einfach nur dem gewohnten Trott folgen. So ist der Alltag wesentlich einfacher und deutlich bequemer. Viele wollen das so beibehalten. Dann hörst Du Sprüche wie: „Das haben wir schon immer so gemacht!“

Wenn diese Denkweise auf Dich verlockend wirkt, dann lade ich Dich ein, den Beitrag zum Tod als Sparringspartner nochmal zu lesen. Denn wirst Du wirklich mit Begeisterung auf Deinem Sterbebett erzählen: „Ja natürlich hatte ich Träume, doch ich bin froh, dass ich es mir stattdessen lieber immer schön bequem gemacht habe und einfach nicht zu viel riskiert habe“? Wenn ja, dann bist Du vielleicht ein Koalabär gefangen im Körper eines Menschen.

Total normal – Fluch oder Segen für Deine Persönlichkeit?

Bist Du bereit für ein kleines Experiment? Dann ließ nun mal den folgenden Satz, schließe Deine Augen und fühl mal rein, was er mit Dir macht: „Du bist eine total normale Persönlichkeit!“. Wie fühlen sich diese Worte für Dich an? Was kommen für Emotionen in Dir hoch, wenn ich sage: „Du bist eine total normale Persönlichkeit!“?

Mir geht es dabei gar nicht so eindeutig. Auf der einen Seite ist da ein Gefühl der Erleichterung. Juhuuu! Ich gehöre dazu, falle nicht aus dem Rahmen, sondern bin ein Teil des großen Ganzen. Dieses Gefühl der Zugehörigkeit ist herzerwärmend und gibt Sicherheit, doch gleichzeitig hat diese Normalität einen Beigeschmack. Ich? Total normal? Also gar nichts Besonderes? Einfach nur wie jeder andere? Austauschbar? Vergiss es! Meine Meinung:

Normal sein ist eine Entscheidung gegen Dich selbst!

Ich bin überzeugt, dass keiner normal sein will. Klar, wir alle wollen lieber dazugehören als ausgegrenzt zu werden. Doch in jedem von uns wartet ein Genie, das sich entfalten will. Und wenn das passiert, dann kommt auch das Neue und Besondere in die Welt. Und das lieben wir Menschen. Innovatoren, Querdenker und inspirierende Persönlichkeiten erzielen ihre Resultate nicht dadurch, dass sie brav der Masse folgen. Sie sind Individualisten, die ihr eigenes Normal entwickeln und sich von niemandem davon abbringen lassen. Wenn wir als Genies erfolgreich sind, entzückt das die breite Masse. Doch wenn wir scheitern, ernten wir Hohn und Spott. Das klingt dann so: „Ich hab’s Dir doch gleich gesagt!“. Hier ist also eine ganz interessante Hassliebe im Spiel, hinter der tief verborgen ein Konflikt zwischen der Trägheit der Massen und der Leidenschaft des Einzelnen liegt.

Konformismus oder Selbstverwirklichung? Normal oder anormal?

Dieser Zweispalt zwischen Konformismus und Selbstverwirklichung ist ein Konflikt, der sich tief in jedem modernen Menschen abspielt. Robert Betz bringt das im Titel seines gleichnamigen Buchs* schön in einer Frage auf den Punkt:

Willst Du normal sein oder glücklich?

Normalität und persönliche Erfüllung gehen nicht immer Hand in Hand. Es sei denn, Du folgst der Erfolgsdefinition der Massen. Dann darfst Du gerne Deine Lebenszeit gegen Dinge eintauschen, die Du gar nicht willst, um Menschen zu beeindrucken, die Dir gar nicht wichtig sind. Warum das auf Dauer nur zu einem bösen Erwachen führt, erkläre ich Dir im Beitrag zur Erfolgstyrannei.

Ein erfülltes Leben liegt dort, wo Du voll Dein Ding machst. Und das kann auch dazu führen, dass Du an manchen Stellen aneckst und mit den Verteidigern des Status-Quo in Konflikt gerätst. Dann musst Du wie die Affen mit einer kalten Dusche rechnen. Oder gibt es noch einen anderen Weg?

Mach den Weg frei für Dein Genie – hinterfrage den Status-Quo

Nur weil die Dinge immer schon so waren, heißt das nicht, dass sie gut und richtig sind. Wenn Dir also jemand ein Verhalten oder eine Denkweise aufzwingt, dann hake nach:

Frage 1: Ist was wirklich so? Und wenn ja, woher weiß ich das? Was wäre, wenn genau das Gegenteil wahr wäre?

Damit verfolgst Du das Normale bis an seinen Ursprung. Und wenn diese Wurzel keinen Sinn mehr ergibt, dann reiße sie raus und schaffe so Platz für Neues, für Deinen eigenen Weg.

Nimm das Smartphone als Beispiel: Für uns ist es mittlerweile normal geworden, alle 10 Minuten an unseren kleinen Bildschirmen zu kleben. Unter dem Deckmantel der Erreichbarkeit zerstört das unsere Aufmerksamkeit, lähmt die Produktivität und sorgt für permanent hohes Stresslevel.

Frage 2: Warum machen wir das so?

Trau Dich, nach dem Warum zu fragen. Doch Vorsicht! Für viele überholte Systeme ist das eine sehr unangenehme Frage, für die Du ordentlich Gegenwind ernten kannst. Doch Du tust den Menschen damit auch einen Gefallen, denn viele Wünschen sich Veränderung, trauen sich jedoch nicht, etwas zu unternehmen. Sie verteidigen bestehende Muster, obwohl sie sie hassen.

Das Normale kann ganz schön tyrannisch sein! Eine gute Freundin erzählte mir vor einiger Zeit von den Sorgen ihrer 15jährigen Tochter. Alle in ihrem Umfeld schminkten sich, machten viel Party, rauchen und soffen. Doch ihr passte das nicht und sie wollte das nicht mitspielen.

Impuls: Wenn Dein Umfeld Dich kleinhält, dann wechsle das Umfeld.

Wenn Du spürst, dass das Normal Deines Umfelds nicht zu Dir und Deinen Träumen passt, dann kannst Du entweder versuchen, das System zu verändern oder Du kannst es verlassen. Das wird dann zu einer Herzenssache: Liegt Dir das Umfeld am Herzen und erfüllt es Dich mit Freude, es zu verändern? Wenn die Antwort kein „Ja“ aus vollem Herzen ist, dann lass es lieber bleiben und wechsle lieber in ein Umfeld, dass Dich und Deine Träume unterstützt. Oder um es mit unserer Story zu sagen:

Wenn Du Bananen willst, dann umgib Dich mit Kaltduschern!

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