Selbstbild: Bist Du fertig oder kannst Du noch wachsen?

Die Art und Weise, wie Du Dich selbst betrachtest, hat einen gewaltigen Einfluss auf Deine persönliche Entwicklung. Mit Sätzen wie „Das kann ich nicht“ oder „Das ist so und so“ drücken wir der Welt einen Stempel auf. Solche Formulierungen lassen erkennen, dass jemand stark in Grenzen denkt. Unter den Voraussetzungen ist Wachstum schwierig. Änderst Du jedoch Dein Selbstbild, erschaffst Du Dir ganz neue Möglichkeiten.

Diesen Beitrag gibt's übrigens auch als Podcast – Folge 22.

Dein Selbstbild zeigt sich in Deiner Reaktion auf große Herausforderungen

Stell Dir vor, Du hättest die Aufgabe, genau in einem Jahr als Schlagzeuger auf einer großen Bühne zu sitzen und mit einer Band einen Song zu spielen. Ich wähle dieses Beispiel in der Annahme, dass Du weder Schlagzeuger noch Profi-Musiker bist. Was macht diese Vorstellung mit Dir? Denkst Du gerade eher so in die Richtung: „Au waia, wie soll das nur gehen? Ich bin doch total untalentiert und werde niemals lernen, mit meinen 4 Gliedmaßen unterschiedliche Bewegungen auszuführen, wie es ein Schlagzeuger tut. Noch dazu habe ich 0 Rhythmusgefühl, und das ist überhaupt nicht mein Instrument!“

Das kann die eine Reaktion sein. Oder aber in Dir entstehen folgende Gedanken: „Schon in einem Jahr auf der Bühne? Das hängt davon ab, was für einen Song wir spielen. Wir sollten einen nehmen, in dem die Anforderungen an das Schlagzeug nicht ganz so hoch sind. Und vielleicht spiele ich ja auch mit einer Profi-Band, die mich unterstützen kann. Hole ich mir dann auch noch einen Lehrer an meine Seite und übe jeden Tag ein halbes Stündchen, dann kann das ganz gut möglich sein.“

Beide Reaktionen sind realistisch, wenn wir großen Herausforderungen gegenüberstehen. Doch welche der beiden Denkweise führt aus Deiner Sicht eher ans Ziel? Ganz klar die zweite! Denn statt Dir selbst Grenzen zu setzen, suchst Du hier gezielt nach einer Lösung. Dein Selbstbild macht in beiden Fällen den Unterschied.

Starres oder dynamisches Selbstbild – wie siehst Du Dich selbst?

Bei jeder Herausforderung gibt es grundsätzlich zwei Reaktionsmöglichkeiten. Erstens: Wir denken in Limitierungen und finden Gründe, warum wir etwas nicht erreichen können. Zweitens: Wir denken in Lösungen und finden Möglichkeiten, wie wir an einer Situation wachsen können. Beide Denkweisen sind Indizien für unterschiedliche Selbstbilder.

In ihrem fantastischen Buch Selbstbild – Wie unser Denken Erfolge oder Niederlagen bewirkt* unterscheidet die Autorin Carol Dweck zwischen einem starren und einem dynamischen Selbstbild. Sie ist Professorin für Psychologie an der Stanford University und bringt zahlreiche gute Praxisbeispiele. Daher kann ich Dir dieses Buch wärmstens empfehlen.

Ein starres Selbstbild ist, wie der Name schon sagt, in sich geschlossen und nur schwer veränderbar. Eine Person hat ab einem gewissen Punkt in ihrem Leben eine klare Idee davon, wer sie ist und was sie kann. Die Grenzen sind starr. Steht sie Herausforderungen gegenüber, findet sie Rechtfertigungen, warum Lernen, Veränderung und Wachstum in der Situation nicht möglich sind. Sie leitet also Abwehrreaktionen ein, um das eigene Selbstbild zu erhalten: Ich habe dafür kein Talent, also kann ich das nicht lernen. Ein solches Verhalten führt schnurstracks in eine sich selbst erfüllende Prophezeiung: Du denkst, Du kannst etwas nicht – Du gehst mit wenig Energie und Selbstvertrauen an die Sache – mit Deiner Einstellung legst Du den Fokus auf Probleme und Schwächen – Du verunsicherst Dich weiter und gibst letzten Endes auf.

Ein dynamisches Selbstbild verhält sich im gleichen Kontext anders. In diesem Fall tendiert eine Person nicht dazu, sich an ein festes Bild von sich selbst zu klammern. Vielmehr denkt sie in Chancen und Möglichkeiten. Deine eigenen Grenzen lassen sich erweitern, Du kannst lebenslang lernen, und mit ein Wenig Übung kannst Du alles meistern. Statt Dich selbst zu verurteilen, fragst Du Dich: Was kann ich tun? Wie geht das? Und auch diese Denkweise führt in eine sich selbst erfüllende Prophezeiung: Du probierst aus und spürst, was möglich ist – Du lernst aus Fehlern und machst etwas anderes – Du wirst mit der Magie der kleinen Schritte jeden Tag besser und besser.

Was für ein Selbstbild hast Du? Und wie kannst Du es wandeln?

Na, wie siehst Du Dich gerade selbst? Zeigst Du im Alltag eher ein starres Selbstbild oder bist Du dynamischer unterwegs, wenn es um Herausforderungen geht? Denkst Du in Urteilen oder in Entwicklungsmöglichkeiten? Denkst Du in Problemen oder in Lösungen? Und was kannst Du verändern, um Dein persönliches Wachstum zu befeuern?

Du hast es wahrscheinlich beim Lesen schon bemerkt: Ich bin ein gewaltiger Verfechter des dynamischen Selbstbilds. Aus meiner Sicht ist das sogar die natürliche Art, über sich selbst zu denken. Die Natur macht es uns vor: Entweder wächst eine Pflanze oder sie verwelkt. Außerdem zeigt auch die moderne Hirnforschung, dass unsere Gehirne bis ins hohe Alter wandlungsfähig sind. Du kannst also Dein Leben lang hinzulernen.

Persönliches Wachstum ist eine Frage der Haltung.

Als ich das erste Mal Sticks zum Schlagzeugspielen in die Hand nahm, war ich 18 Jahre alt. Damals schossen mir Gedanken durch den Kopf wie: „Ich bin viel zu alt dafür. Echte Profis lernen das schon mit 6 Jahren. Was ist, wenn ich kein Talent habe?“. Doch ich hab es einfach gemacht. Im Laufe der Zeit hatte ich 3 Lehrer an meiner Seite, habe jeden Tag 30 Minuten geübt und merkte über die Dauer, wie ich immer besser wurde.

Während die einen nach Gründen suchen, warum etwas nicht geht, machen die anderen einfach einen kleinen Schritt vor den anderen. Wann machst Du Deine nächsten Schritte? :)

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