Verhalten ändern – sabotierst Du Dich selbst?

Führt Dich Dein Verhalten immer zum gewünschten Ergebnis? Oder stehst Du Dir mit Deinen Taten manchmal selbst im Weg? Wir alle haben unsere Macken und tun manche Dinge so und so, weil wir sie immer schon so gemacht haben. Willst Du jedoch andere Ergebnisse, können schon kleine Verhaltensänderungen gewaltige Auswirkungen haben. Es lohnt sich also, genauer hinzuschauen.

Diesen Beitrag gibt's übrigens auch als Podcast – Folge 14.

Das geheimnisvolle Braten-Ritual

An einem Sonntag bereiten Susanne und Frank in der Küche einen Braten zu. Genauer gesagt: Susanne kocht und Frank schaut zu, denn Susanne ist aus Familientradition ein echter Braten-Profi. Schon als kleines Mädchen hat sie ihrer Mutter bei der Zubereitung über die Schulter geschaut. Und die war bekannt für ihren besonders leckeren Braten.

Frank steht nun daneben und beobachtet fasziniert, wie Susanne das Fleisch erst scharf anbrät und dann mit einer Vielzahl von Gewürzen bearbeitet. „Und jetzt kommt die geheime Magie“, kündigt Susanne an. Sie zückt ein riesiges, scharfes Messer, schneidet das linke und rechte Ende um jeweils 5 Zentimeter ab, legt die beiden Teile oben auf den Braten und schiebt das Ganze in den Ofen.

„Was sollte denn das? Wieso schneidest Du die Enden ab?“, fragt Frank neugierig. „Den Trick hab ich mir von meiner Mutter abgeschaut“, verrät Susanne mit gedämpfter Stimme. „Sie machte das immer so und jeder liebte ihren Braten!“ Schon bald adaptiert auch Frank die geheime Technik und beide ernten jedes Mal große Komplimente für ihre Kochkünste.

Eines Sonntags ist die Mutter zu Besuch und Susanne lädt sie ein: „Mama, lass und den Braten heute zusammen zubereiten – wie in alten Zeiten“. So stehen beide am Herd, bereiten die Speisen zu und kurz bevor der Braten in den Ofen geht, zückt Susanne das Messer, schneidet beide Enden ab und legt sie obendrauf.

Die Mutter schaut entgeistert zu: „Kind, was machst Du denn da?!“ – „Aber Mama, das haben wir doch immer so gemacht. Das ist doch Dein Geheimtrick für einen guten Braten, oder?“

Die Mutter beginnt, laut zu lachen: „Ach Kind, das machen wir doch schon lange nicht mehr! Das war damals nur so, weil der Braten sonst nicht ganz in unseren kleinen Ofen passte.“

Wie formt sich Dein Verhalten? Durch Beobachten und Nachahmen

Diese Braten-Geschichte hat mir vor einigen Jahren mal einer meiner Lehrer erzählt. Sie bringt mich immer wieder zum Lachen, auch wenn ich sie schon dutzende Male erzählt habe. Denn jeder von uns kann diese Situation nachvollziehen. Wir alle lernen unser Verhalten von Bezugspersonen, die uns wichtig sind. Als Kinder sind wir noch komplett formbar. Wir haben uns noch keine Strategien zurechtgelegt und kommen auch nicht mit dem perfekten Businessplan fürs Leben zur Welt. Vielmehr lernen wir durch Beobachten und Nachahmen von Eltern, Lehrern und Vorbildern. Selbst als Erwachsene schneiden wir uns gerne noch eine Scheibe von Menschen ab, die bei uns hoch im Kurs stehen. So eine kleine These von mir: Je wichtiger uns die Menschen sind, desto stärker halten wir an dem Verhalten fest, das wir von ihnen übernommen haben. Wenn der Mensch in unserem Ansehen sinkt, lassen wir auch das Verhalten bereitwilliger los.

Stell Dir vor, Du bist frisch verliebt. Du hast große Gefühle und frisches Kribbeln im Bauch und dieser Mensch begeistert Dich in all seinen Facetten. Kennst Du es nicht auch, dass Du plötzlich Teile seines oder ihres Verhaltens übernimmst. Manchmal übernehmen wir einen Gedanken, ohne zu prüfen, ob es für uns wirklich Sinn ergibt. Dahinter steckt vielmehr eine A-B-Verknüpfung: Mamas Braten ist sehr lecker, sie bekommt dafür viel Lob, also mache ich alles genauso, damit ich ebenfalls viel Lob bekomme.

Im Laufe der Zeit verfestigen sich diese Strukturen – sie frieren ein und lassen sich nur noch schwer formen. Diesem Bild des Einfrierens bin ich zum ersten Mal beim Kreativitätsforscher Erdward de Bono begegnet. Im Kern geht es darum, dass unser Denken in jüngeren Jahren noch formbar ist. Wir können uns also leicht neuen Herausforderungen anpassen und unsere Gedanken auf neue Wege bringen. Je mehr wir jedoch lernen und je öfter wir ein Verhalten anwenden, desto mehr erstarren diese Muster. Sie frieren ein. Dann müssen wir sie mühevoll auftauen, bevor wir sie verformen können. Das fordert also sehr viel Energie und Willenskraft, wenn es überhaupt gelingt. Darum fallen uns Menschen solche Veränderungen im Denken und Handeln im Laufe der Zeit auch immer schwerer. Wir stellen uns quer und es kommen Sätze wie: „Das haben wir schon immer so gemacht!“

Selbstsabotage – wenn Dein Verhalten gegen Dich arbeitet

Doof sind diese verhärteten Denkwege dann, wenn sie nicht auf Deine Ziele einzahlen, sondern Dich nur noch weiter davon entfernen. Dazu ein paar Beispiele:

  • Du willst mit mehr Energie in den Tag starten, drückst jedoch morgens 5 Mal die Snooze-Taste.
  • Du willst mehr im Moment sein, reagierst jedoch sofort auf jedes Signal Deines Smartphones.
  • Du möchtest andere Menschen kennenlernen, erzählst jedoch die ganze Zeit nur von Dir und fällst anderen ins Wort.

Das alles sind kleine Dinge, die Dich jedoch mit großer Wirkung von Deinen Zielen abhalten. Dann ist es wichtig zu erkennen:

Wenn eine Sache nicht funktioniert, dann mach was anderes!

Mich bitten immer wieder Menschen um Rat, die in einer Blockade festhängen. Sie tun und machen, doch sie kommen nicht voran und das frustriert sie. Ihre Lösung: einfach noch mehr Stunden genau das gleiche machen. Was passiert? Noch mehr Frust, noch mehr Blockade, noch weniger Ergebnis. In unserer Gesellschaft regiert nach wie vor die Devise: mehr Arbeitsstunden bedeuten auch mehr Produktivität. Doch diese Gleichung bröckelt heute immer mehr. Zeit, unsere Strategien zu überdenken.

Verhalten ändern – warum machst tust Du eigentlich, was Du tust?

Bevor Du nun an die Arbeit gehst und alles umkrempelst, beachte bitte noch folgenden Gedanken: Hinter jedem Verhalten steckt eine positive Absicht. Alles, was Du heute so tust und wie Du es tust, hat seinen Grund. Diese Erkenntnis ist wichtig für einen wertschätzenden Umgang mit Dir selbst, wenn Du etwas ändern möchtest. Denn hast Du erst einmal verstanden, warum Du die Dinge so tust, wie Du sie nun mal tust, fällt es Dir viel leichter, etwas zu ändern. Dann passiert das beinahe liebevoll.

Bei unserer Bratenstory ging das total leicht, als die Mama Susanne aufgeklärt hat. Von da an gab es in ihrem Kopf gar keinen Grund mehr, weiterhin die beiden Enden abzuschneiden. Und es machte ihr auch nichts aus, von dem Verhalten loszulassen. Es tat ihr nicht weh. Doch in vielen Fällen, wo Veränderung an der Tagesordnung ist, da ist auch Schmerz mit dabei. Stell Dir vor, die Mutter wäre verstorben, ohne das Ritual je aufzuklären. Dann hätte es eine ganz andere Bedeutung bekommen und Susanne wäre es sehr viel schwerer gefallen, davon loszulassen, weil es eine Verbindung zu ihrer Mutter darstellt. Damit Veränderung leichter geht, ist es sehr hilfreich, das Warum dahinter klar zu erkennen.

Der Raucher denkt, Zigaretten bringen ihm Genuss und Entspannung. Was also kann er tun, um auf anderem Weg Genuss und Entspannung in sein Leben zu bringen? Wer häufig zu Fastfood greift, will vielleicht wenig Zeit mit Kochen verbringen oder sich selbst mit einer leckeren Mahlzeit belohnen. Für solche Situationen gibt es jede Menge Rezepttipps, mit denen Du innerhalb von 10 Minuten frische Gerichte zauberst und garantiert findest Du dabei auch sehr feine Leckerbissen. Maestro Google hilft Dir gerne bei der Suche!

Du merkst: Es geht darum, Bewusstsein für die Gründe hinter dem Verhalten zu schaffen. Sobald Du das hast, fällt es Dir schon deutlich leichter, bewusster zu sein und Dein Verhalten darauf auszurichten, was Du wirklich in Deinem Leben haben willst.

Mut zur Veränderung: aufgeben ist leichter als umgestalten

Gerade wenn es um das Thema Veränderung geht, ist mir folgender Appell sehr wichtig: Ich erlebe es immer wieder, dass Menschen gerne die große Keule schwingen und beim innerlichen Aufräumen alles kleinhauen, was nicht mehr in ihr Bild passt. Sie beenden Beziehungen, kündigen ihren Job und wollen, dass alles von heute auf morgen anders ist. In einigen Fällen kann das wirklich hilfreich sein, doch bei den meisten gilt: Hab Geduld mit Dir und schau genauer hin.

Aufgeben ist nie eine Lösung.

Denn zum einen gibt es immer einen Grund, warum Du Dich mal für eine Sache entschieden hast. Zum anderen darfst Du bedenken, dass nicht unbedingt alles schlecht ist, nur weil Du nicht das Resultat bekommst, das Du erwartest. Die Situation einfach zu beenden, ist der einfachste Weg, doch nicht der nachhaltigste. Oft kann schon eine kleine Veränderung viel bewirken. Gerade bei Beziehungsthemen oder im Job versetzt ein offenes Gespräch Berge. Klar, kann das etwas Mut verlangen, doch wenn es Dir wirklich wichtig ist, findest Du die Kraft, den ersten Schritt zu machen. Und lass Dich überraschen: Sehr oft kommt bei solchen Gesprächen ans Tageslicht, dass sich andere genauso fühlen wie Du und Dich anschließend dabei unterstützen, Deine Veränderung mitzugestalten.

Impuls: Zwei kleine Fragen, die viel bewegen

Wenn Du regelmäßig hier im Blog bist, dann kennst Du bereits die Macht der Fragen. Starke Fragen helfen Dir wie kein anderes Mittel, Dein Leben innerhalb kurzer Zeit bewusster zu gestalten. Wenn Du Dein Verhalten wieder mehr auf Deine Ziele ausrichten willst, dann stell Dir folgende zwei Fragen:

  • Womit kannst Du anfangen, um Dich ab heute in Richtung Deines Ziels zu bewegen? Und wovon kannst Du mehr machen, um schneller dorthin zu gelangen?
  • Womit solltest Du heute aufhören, um Dich in Richtung Deines Ziels zu entwickeln? Und wovon kannst Du weniger machen, um schneller dorthin zu gelangen?

Ja, diese Fragen wirken erstmal klein und bescheiden. Doch ich lege Dir ans Herz, sie auszuprobieren. Ich komme mir dabei oft vor wie ein Maler, der für bestimmte Effekte mal zu einem schmaleren oder dickeren Pinsel greift, mal mehr Farbe, mal wenige Farbe nimmt, um das optimale Ergebnis zu erreichen.

Auch schon kleinste Veränderungen können große Früchte tragen. Und vergiss dabei nicht: Erst die Umsetzung macht den Unterschied!

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