Wie Meditation Deine Kreativität fördern kann

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Geh auf einen hohen Berg, setz Dich auf ein Kissen, halt den Rücken gerade und konzentrier Dich auf Deine Innenwelt. Führ nun den rechten Zeh zum linken Auge und verharre einen Monat in dieser Position. Dabei atmest Du durch das linke Nasenloch in den rechten Lungenflügel. Anschließend denkst Du 23,5 Sekunden an helles Licht und 4,56 Sekunden an unendliche Weite. Innerhalb der nächsten 3524 Stunden stellt sich die Erleuchtung ein.

Du willst meditieren? Kannst Du das überhaupt? Welche Meditationstechnik nutzt Du? Hast Du die richtige Atemtechnik? Die perfekte Sitzposition? Eignet sich Deine Umgebung überhaupt für Meditation? Bist Du konzentriert genug? Hast Du Dir das Sitzkissen für 1250 Euro gekauft? Nur damit geht’s!

Nein, die verrückten Bewegungen da oben sind nicht ernst gemeint. Bitte nicht nachmachen!

Ja, meine Ausführung sind überspitzt. Bewusst! Die Anleitungen, die wir heute für Meditation erhalten, sind stellenweise einfach nur irre. Der Irrsinn beginnt schon bei der Wortwahl: Von Meditationstechniken ist die Rede.

Technik?

Techniken versprechen uns einen erprobten und effizienten Weg zum Ziel. Der Begriff suggeriert bereits, dass Du mit einer Herangehensweise ganz gezielt bestimmte Effekte und Wirkungen erzielen kannst. Doch welche Wirkung ist das?

Erleuchtung?

Ist die garantiert, wenn ich die Technik befolge?

Also Schritt A, dann B, dann C, dann Erleuchtung?

Ist diese Abfolge genormt und zertifiziert? Von einer öffentlichen Prüfstelle abgenommen und mit einem Gütesiegel versehen?

Nein, ich ziehe Meditation nicht ins Lächerliche. Ich befreie das Thema von all den bekloppten Gedanken, die unser Zeitgeist ihm aufgeladen hat.

Ich meditiere selbst täglich und kann mir mein Leben gar nicht mehr ohne diese besonderen Momente vorstellen. Insbesondere, was meine Kreativität angeht, konnte ich damit tolle Erfahrungen machen.

Die Meditation macht uns keine Versprechen. Das zu erwarten, würde alles kaputt machen. Viele sehen in ihr jedoch genau das: ein Versprechen, die eigene Leistung noch weiter steigern zu können.

 

Meditation als Opfer des Produktivitätswahns

Welche Wirkung hat das? Was erreiche ich damit? Wie bringt es mich meinem Ziel näher? Und wie lange dauert das?

Diese Fragen lauern heute an jeder Ecke. Wir wollen maximale Effizienz. Alles, was nicht sofort Ergebnisse und messbare Resultate liefert, belächeln die Socialmediadauerlaberbacken.

Alles, was nicht messbar unmittelbare Wirkung bring, stempeln sie als Zeitverschwendung ab und widmen sich wieder ihrem modernen Herzinfarktbusiness.

Wir stehen heute unter so hohem Produktivitätsdruck, dass wir über alles, was wir tun, Rechenschaft ablegen müssen.

Kleine Auszeiten bei Netflix? Tagträumerin? Iiiiiich? Niemals! Ich sitze den ganzen Abend im Schneidersitz auf meinem Kissen und lese!

Dieser fehlgeleitete Produktivitätswahn dressiert auch unsere innere Stimme. Sie sitzt uns im Nacken und quält uns mit all dem, was wir müssen, wollen und sollen – selbst dann, wenn wir mit uns alleine sind.

Diese Zwänge kommen von außen an uns heran, gerne auch durch die (a-)sozialen Medien, die Dir ungefragt ins Ohr predigen, was Du alles musst und wie Du zu sein hast.

Ich erlebe immer häufiger, dass Menschen sich für kleine Auszeiten und Momente der Freude abstrafen. Sie erwarten von allem eine unmittelbare Wirkung. Manche legen sich eine Morgenroutine zu und planen auch ihren Tag bis in kleinste Detail.

Jede Minute wollen sie ausnutzen, jeden Moment ausschlachten.

Selbst in den 30 Sekunden, in denen sie auf einen Kaffee warten, können sie ackern! E-Mails checken? Das geht auch mit einer Hand beim Pinkeln – natürlich nur, wenn im Terminkalender gerade Zeit ist für eine Pinkelpause ist. Sonst muss die Blase noch eine Stunde warten.

Zuquetschen!

Ja, wir quälen uns. Mit dem Ziel, so zu werden wie alle anderen. Manche reagieren auf die Angst, dass Maschinen uns ersetzen, damit, dass sie noch verrückter wie Maschinen arbeiten.

Offensichtlich sind die Maschinen diesen Menschen in Logik schon deutlich überlegen …

All das hat mit Produktivität nichts zu tun. Wir fühlen uns pausenlos beschäftigt, mehr nicht.

Resultate erzielen, ohne aktiv etwas dafür zu tun? Das passt nicht in unser Weltbild.

Halten wir an dieser Denke fest, sperren wir uns selbst ein und mit uns auch unsere Kreativität. Denn diese entfaltet sich am besten dann, wenn wir Nichtstun, wenn wir unsere Gedanken schweifen lassen und uns dem Moment hingeben.

Momente, in denen wir loslassen und geschehen lassen.

Was Meditation bewirken kann und was nicht

Die Stärke der Meditation liegt darin, Momente zu schaffen, in denen wir mit unseren Gedanken bei uns sind, ohne Ziel, ohne Erwartung, im Hier und Jetzt.

Doch in jüngster Zeit ist Meditation in den Bereich der Selbstoptimierung geraten. Für viele ist sie ein weiterer Punkt auf der täglichen Checkliste, den sie abarbeiten.

Meditation als Aufputschmittel, als Leistungssteigerung, ja sogar als Ritalin-Ersatz.

10 Minuten meditieren, damit ich danach noch 2 Stunden länger als sonst arbeiten kann. Den Turboboost einschalten, noch mehr Leistung aus dem Tag ziehen und dabei sogar noch meine Kreativität beflügeln?

Ja, Deine Meditation kann Deine Kreativität fördern, jedoch nicht auf die Weise, wie Du es Dir vielleicht gerade vorstellst!

Vervollständige bitte diesen Satz: Ich meditiere, damit …

Was gefunden?

Der größte Irrtum liegt im Wörtchen „damit“. Denn wenn Du mit einem konkreten Ziel, einer Absicht oder einer Erwartungshaltung in die Meditation gehst, stehst Du Dir selbst im Weg. Denn Meditation lebt gerade von Erwartungslosigkeit.

Bitte hab keine Erwartungen an die Erwartungslosigkeit.

Damit setzt Du Dir Ziele und machst Dir Leistungsdruck.

Zielsetzung geht einher mit Gedanken, das Ziel womöglich nicht zu erreichen, zu scheitern oder etwas falsch zu machen.

Wie willst Du da im Kopf entspannen, wenn Du versuchst, selbst Deine Auszeit zu managen und zu organisieren.

Der französische Philosoph Fabrice Midal bringt es in seinem Buch Die innere Ruhe kann mich mal: Meditation radikal anders sehr schön auf den Punkt. Für ihn ist Meditation „die Kunst, sich in Frieden zu lassen“.

Wir gönnen uns eine Auszeit von all den äußeren Reizen und auch von unserem inneren Impuls, ständig zu wollen, zu müssen und zu sollen.

Wir brechen raus aus diesen Zwängen, mit denen wir uns den ganzen Tag über quälen und gönnen uns einen Moment Frieden mit uns selbst.

 

Kreativität fördern – Dein Wollen steht dem Gewollten im Weg

Den ganzen Tag über verfolgen wir unsere Ziele, schmieden Pläne und reagieren auf äußere Einflüsse. Wir denken, dass wir unseren großen Zielen und genialen Ideen nur mit viel Anstrengung näher kommen.

Ja, Ideen sind Arbeit! Doch Schweiß und Tränen sind nur ein Teil des Ganzen. Aus Erfahrung weißt Du, dass Dich die Inspiration oft vollkommen unerwarteten in Momenten der Entspannung findet.

„Man tut nichts, uns es passiert doch so viel“, beschreibt Midal die Meditationspraxis.

Klingt das für Dich nicht auch ganz nach den kleine Geistesblitz-Momenten, die unsere Ideen in kurzer Zeit scheinbar ohne Anstrengung nach vorne bringen? Mit unserer Zielfixierung und unserem Produktivitätswahn stehen wir uns selbst im Weg.

Im Loslassen liegt die kreative Magie, die wir verspüren, wenn wir im Nichtstun doch etwas tun. Gerade als Kreative sollten wir uns diese Momente zur Routine machen – insbesondere in stressigen Momenten.

Wenn Du gerade keine Zeit hast, 10 Minuten zu meditieren, dann solltest Du unbedingt 20 Minuten meditieren. Denn wenn Du im Stress bist, läufst Du Gefahr, wichtige Dinge zu übersehen und mit Dir selbst schlecht umzugehen.

 

Wie Meditation Deine Kreativität fördert – tägliches Date mit Dir selbst

Schau in Dich selbst hinein, lass Dich in Frieden und lass alles los, wovon Du glaubst, dass Du es sollst, willst oder musst.

Gönn Dir einen Moment, in dem Du NICHTS musst.

Kein Leistungsdruck, niemand, der Dich beurteilt und auch keine Angst, etwas falsch zu machen. Keine Zwänge, keine Erwartungen, keine Pflichten. Der absolute Gegenpol zum stressigen Alltag.

Stattdessen lässt Du Dich auf das ein, was Dir Dein Körper sagen und zeigen will. Du schaltest alles von außen aus und sagst Ja zum Innen. Nichts erreichen wollen, nur da sein und zulassen.

So unverblendet in Dich selbst zu blicken ist nicht immer einfach. Hier heißt es konfrontieren statt wegblicken. Das ist zuweilen nicht immer angenehm, doch immer sehr wertvoll.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich den Kontakt zu meiner Innenwelt verliere, wenn ich den ganzen Tag den Anforderungen von außen ausgesetzt bin, äußere Impulse sehe und ihnen lausche.

Wie ein Chor stimmt meine gesamte Gedankenwelt in diese äußeren Botschaften ein. Mein Kopf brummt nur so vor Impulsen von außen. Zuweilen so laut, dass ich meine Innenwelt im Alltag nicht mehr höre.

Zu dieser Innenwelt gehört meine liebevolle innere Stimme, mein Gewissen, meine Intuition und auch die Weisheit, die aus meinem Gefühl oder Herzen spricht.

Diese Innenwelt kann viel zu meinen Entscheidungen und Ideen beitragen. Sie versucht sich Gehör zu verschaffen, doch sie geht unter in der täglichen Flut äußerer Impulse.

Mit der Meditation reiße ich eine Lücke in den permanenten Gedankenstrom und entziehe ihm seine Eigendynamiken.

Indem ich mich einmal am Tag ganz rausnehme schenke ich meiner Innenwelt Gehör. Ohne Erwartung, ohne Wollen. Ich lasse kommen, was da kommen will und nehme es an.

Dadurch bin ich nicht nur in besserer Balance mit mir selbst, sondern bekomme auch hilfreiche Tipps und spannende Einsichten.

Viel Stress entsteht im Alltag gerade dadurch, dass wir nicht auf uns hören und unsere Innenwelt vernachlässigen. Sie verschafft sich dann auf anderem Weg Gehör wie zum Beispiel durch Krankheit oder durch eine bedrückende, innere Traurigkeit.

Indem wir liebevoll und mit Wärme in uns selbst schauen, lösen sich diese festsitzenden Eisbrocken auf und bringen unsere Innenwelt wieder ins Fließen.

Absolute Stille, keine Reize. Du schaust nach innen. Du analysierst nicht die Vergangenheit und planst auch nicht die Zukunft, Du bist im Jetzt.

Mit der Zeit wirst Du erkennen, dass die Antwort auf Deine Fragen oft schon längst in Dir steckte. Du hast Dir nur nicht die Zeit genommen, ordentlich hin zu hören.

 

Meditation lernen? Wann, wo und wie?

Bevor ich mich hinsetze, putze ich mir die Zähne, lüfte ordentlich durch und trinke ein Glas Wasser. Das bringt Frische und Klarheit sowohl in den Raum als auch in meinen Körper.

Ich schalte alle Geräte aus, die mich stören können und setze mir einen Timer auf 20 Minuten. Dann lege ich meine Hände in den Schoß, schließe die Augen und lasse alles los.

Alle Muskeln entspannen sich, ich lasse die Zunge locker und kehre nach Innen. Ich lasse auf mich wirken, wie mein Atem ganz natürlich wie im Schlaf fließt und lasse alles kommen, was da kommen mag.

Die ersten Sessions können sehr anstrengend sein, weil Dir Dein Inneres viel zu erzählen hat, doch je häufiger Du hinhörst, desto mehr Flow kommt auf.

Bewerte dabei nichts. Nimm einfach alles an.

Die positiven Nebeneffekte im kreativen Alltag:

  • Du bewertest weniger schnell.
  • Du bist entspannter und klarer im Kopf.
  • Du hast ein besseres Bewusstsein für Deinen Zustand und Deine Stimmung, kannst sie besser regulieren und Dir das geben, was Du brauchst.
  • Du entwickelst einen freundlicheren Umgang mit mir selbst.
  • Du bleibst auch in stressigen Situationen klar, lässt Dich weniger schnell in ausgetretene Denkpfade drängen und bist weniger Spielball von Emotionen wie Angst etc.
  • Du kannst auch zwischendurch im Alltag meditieren. Zum Beispiel beim Sport, indem Du Dich 20 Minuten nur auf Deinen Lauf- und Atemrhythmus konzentrierst.

Oder beim Zähneputzen. Schließe die Augen und putze die Zähne mit Deiner anderen Hand. Du wirst voll im Moment sein.

Der Buddist Chade-Meng Tan empfiehlt: Nutze Deine alltägliche Langeweile nicht, um immer wieder auf Dein Smartphone zu schauen. Stattdessen gewöhne Dir an, Dich für ein paar Sekunden ganz auf Deinen Atem zu konzentrieren.

Fazit – macht Meditation kreativer?

Meditation ist keine Kreativitätstechnik, die auf Kommando neue Ideen generiert. Doch sie kann ein wesentlicher Bestandteil eines kreativen Lebens sein.

Neulich musste ich laut lachen, als der Autor eines Buches meinte, er habe Meditation heute voll drauf. Ich frage mich, wie man Meditation drauf haben kann und woran er das erkennt. Für mich ist jeder Besuch in meinem Inneren eine neue Entdeckung. Ich weiß nie, was mich erwartet und ich erwarte auch nichts.

Meditation braucht keine Routine zu sein. Heute habe ich die Meditation zum Beispiel fallen lassen, weil ich so im Flow war.

Ich lade Dich ein, damit zu experimentieren und selbst zu spüren, was sie mit Dir macht. Nutze dieses Mittel dann, wenn Du spürst, dass es Dir guttut.

Ich danke Dir ganz herzlich für Deine Zeit und freue mich, von Deinen Erfahrungen und Gedanken zu hören.

 

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